22.02.2020

Pflegeausbildung: Aus drei wird eins

Einführung der Generalistik in Passau: Schülerzahlen bleiben konstant – Neue Kooperationen


Passauer Neue Presse - 22.02.2020

Von Daniela Stattenberger

Im Jahr 2020 wird umgestellt, dann gibt es keine Ausbildung zur Altenpflege, zur Krankenpflege und Kinderkrankenpflege mehr, sondern nur noch die eine zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann. Ein Abschluss, der dann auch EU-weit anerkannt wird. In Passau laufen die letzten Vorbereitungen, für diese einschneidende Umstellung.

An der Berufsakademie Passau (BAP) startet die neue Ausbildung zur Pflegefachkraft am 1. September in ihr erstes Schuljahr, wie BAP-Geschäftsführerin Barbara Brauckmann und Pflegeschulleiter Joachim Berga mitteilen. Berga: „Das hätten wir uns vor zehn Jahren nicht vorstellen können.“ Brauckmann: „Ein Paradigmenwechsel“. Insbesondere um die Finanzierung sei hart gerungen worden, eine im Deutschlandvergleich durchaus positive Schülerpauschale wurde erreicht, erklärt die BAP-Geschäftsführerin.


Für die bisherigen Schüler, die noch klassisch zum Altenpfleger ausgebildet werden, ändert sich nichts. „Bis diese ihren Abschluss machen, haben wir zwei Schularten in unserem Haus“, erklärt Brauckmann weiter.


Aktuell sieht es danach aus, als blieben die Schülerzahlen mit der Umstellung stabil – bei etwa 40. Berga: „Die Ausbildung eröffnet den Absolventen jetzt alle Wege.“ In den Praxiseinsätzen in der Akutpflege (Krankenpflege), Langzeitpflege (Altenpflege) und Pädiatrie (Kinderkrankenpflege) lernen sie die verschiedenen Pflegebereiche kennen.


„Wir sind an den entsprechenden Kooperationen schon ziemlich lange zugange; gerade auch noch sehr intensiv“, sagt Berga. Bürokratisch seien die neuen Regelungen umständlicher geworden, weil noch mehr Verträge notwendig sind. Auch zwischen den Schulen werde vermehrt auf Kooperation gesetzt. Bei Neuanstellungen wird auf ergänzende Kompetenzen geachtet, etwa aus der Pädiatrie, führt Brauckmann aus. Die BAP ist bisher auf die Altenpflege spezialisiert.


Schon zuvor gab es jedoch pflegebereiche-übergreifende Kooperationen, etwa im Bereich der Weiterbildung in der Praxisanleitung, die sehr fruchtbar waren, so Berga. „ Wir dürfen dennoch nicht ungeduldig sein. Es wird einige Jahre dauern, bis das zusammenwächst. Ich bin kein Gegner der Generalistik, behalte mir aber eine gesunde Skepsis bei. Ich denke, das Konzept kann nur funktionieren, wenn das Standesdünkel bröckelt, Generalistik ist keine Wunderwaffe.“ Für ein besseres Image von Pflegeberufen müssten sich auch und vor allem die Arbeitsbedingungen ändern.


Bis 2025 haben die Schulen Zeit, das vorgegebene Curriculum schulspezifisch zu verfeinern. Fortbildungen zur weiteren Spezialisierung ausgebildeter Pflegefachkräfte werden auch in der Zukunft unumgänglich sein, sind sich Berga und Brauckmann sicher. „In drei Jahren komplett in drei Berufen auszubilden, da geht einfach nicht alles hinein“, so Brauckmann. Berga: „Da muss man Abstriche machen.“ Für die Pflege in der Urologie oder Onkologie zum Beispiel brauche es Weiterbildungen. Auch jetzt gebe es bereits in der Altenpflege Spezialisierungen – etwa im Bereich Palliativpflege. Die werden bleiben.


Wichtig bleiben auch Kurse für Pfleger aus dem Ausland, die sich im Anerkennungsverfahren befinden (ein Kurs startet im April) und weitere Vorbereitungskurse auf Pflegeberufe. Ein Info-Abend der BAP-Pflegeschulen findet am Donnerstag, 20. Februar, 18 Uhr statt.

Auch an der Krankenpflegeschule Passau befindet sich die Umstellung in der heißen Phase. Dort werden die ersten 27 Schüler schon ab dem 1. April generalistisch ausgebildet, die nächsten zwei Klassen folgen dann ebenfalls zum 1. September, wie die Schulleiterin Silvia Heininger mitteilt. „Insgesamt haben wir dann voraussichtlich 175 Schülerinnen an der Schule“, teilt sie mit.


Der Name der Schule wird sich dann auch verändern in „Berufsfachschule für Pflege“ am Klinikum Passau. „Im Wesentlichen ändern sich Aufgabenbereiche insofern, dass die Auszubildenden befähigt sind in der Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege zu arbeiten. Dementsprechend ändern sich die Unterrichtsinhalte. Da muss die Pflege von Kindern und alten Menschen unterrichtet werden und bei uns an der Schule durch die Anbindung an das Klinikum schwerpunktmäßig die Versorgung der Patienten im klinischen Akutbereich. Die praktischen Einsätze während der Ausbildung werden neben den Einsätzen im Krankenhaus unter anderem in Altenheimen, ambulanten Pflegediensten und in der Kinderklinik stattfinden. Wir werden verstärkt Simulationen durchführen bei Erwachsenen und Kindern zum Üben von Szenarien, bevor am Patienten gearbeitet wird. Mehr Gewichtung liegt außerdem in der generalistischen Ausbildung in der Anleitung der Auszubildenden in den praktischen Einsätzen durch pädagogisch qualifiziertes Personal (Praxisanleiter).“


10 Prozent der praktischen Ausbildung müssen laut Heininger angeleitet stattfinden. „Die Lehrpläne sind in Bearbeitung und bei uns an der Schule für das erste Ausbildungsjahr fast abgeschlossen. Die Herausforderung liegt besonders darin, den Auszubildenden ein gutes Basiswissen in allen Bereichen der Pflege zu vermitteln mit allem, was es braucht in der Pflege von unterstützungsbedürftigen Menschen. Eine weitere Herausforderung liegt dann darin, nach dem beruflichen Abschluss in den einzelnen Bereichen der Pflege die ,Pflegefachmänner‘ und ,Pflegefachfrauen‘ durch Fort- und Weiterbildungen zu spezialisieren um qualitativ hochwertige Mitarbeiter´, sozusagen Experten, die die Praxis braucht, zur Verfügung zu haben.“ Die Anmeldezahlen seien auch an der Krankenpflegeschule am Klinikum bisher unverändert im Vergleich zu den Vorjahren. „Dennoch gibt es immer wieder viele Fragen.“